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Montag, 15. Oktober 2012

Pseudo-Freunde


In einer Zeitung las ich die Headline Freunde schenken Lebensfreude. Sofort wurde ich von einem Lachkrampf geschüttelt. Zum Glück hatte ich grade kein Glas mit Milch in der Hand, sonst hätte ich glatt Schlagobers draus geshakt. Der Redakteur hat scheinbar null Ahnung von meinem Freundeskreis. Einer daraus hieß Alex und wohnte zudem noch in meiner Nachbarschaft. So kam er öfters überfallsartig vorbei und blieb bis mein Eiskasten leer gefuttert war. Aber ich hab’s ja. Außerdem nahm er gern an lustigen Rätselrallyes teil und fragte mich, ob er anrufen dürfe, wenn er eine Frage nicht wusste. Dummerweise stimmte ich zu, da ich nicht ahnte, dass solche Rallyes nachts veranstaltet werden. Mit dem Wagen muss man eine Station nach der andern anfahren, erfährt dort die Frage für die jeweils nächste Station, nachdem man die richtige Antwort der Frage der vorigen Station dort deponiert hat und so weiter. Sein erster Anruf erreichte mich um 23Uhr34, da war ich noch wach und guckte den Nachtfilm. Ich musste ihm mitteilen, von wann bis wann der 30jährige Krieg dauerte (1618-1648), beim 2. Anruf schlief ich allerdings schon, da die Zeitanzeige meines Videorecorders bereits 1Uhr 29 anzeigte, blieb aber freundlich, als er sich bei mir nach der 2. Strophe der Nationalhymne erkundigte und sang sie ihm sogar brav vor: Heiß umfeeeeh-det, wild umstri-ittten…
Beim 3. Anruf um 2Uhr13 (ich bin ja nicht abergläubisch, aber das empfand ich als Frechheit) riss mir der Geduldsfaden, als er zu fragen wagte: „Wie weit ist der geografische Nordpol vom magnetischen entfernt?“
„Sei froh, dass deine blöde Visage weit genug von meiner Faust entfernt ist!“ brüllte ich in den Apparat, nachdem ich mich wieder aus dem Bett gequält hatte. Aus dem besten Tiefschlaf geweckt und noch dazu mitten in einem schönen Traum (Geldgewinn) gestört, konnte ich mich sehr schwer beherrschen. Obwohl ich ein sehr gutmütiger freundlicher Typ bin. -Solche Menschen schaffen es aber, all meine Prinzipien über Bord zu werfen und mal ordinär zu werden.
Daraufhin wagte er tatsächlich noch, die hirnrissige Frage zu wiederholen.
„Ich weiß es nicht! Bist du des Wahnsinns fette Beute, mich zu so einer unchristlichen Zeit aufzuwecken??!!“
„Jetzt sei doch nicht so unkooperativ!“ rügte er mich. „Schau halt in deinen schlauen Büchern nach, es geht immerhin um eine halbe Sau, die ich gewinnen will!“
„WAAAS? Wegen einer lumpigen halben Sau weckst du mich aus meinem süßesten Traum auf? Du hast wohl den Arsch offen! Ich dachte, es geht um einen Haufen Geld!“
„Wie weit ist der geografische Nordpol vom-“
“Das ist mir scheißegal! Ich will schlaaaafen!!!“ schrie ich ihn an.
„Ich warne dich!“ drohte er mir nun. „Ich komme nie wieder auf Besuch zu dir!“
„Na, das ist ja eine schrecklich gefährliche Drohung, wenn kein Parasit mehr kommt, um mich arm zu fressen!“ kreischte ich. Der Geräuschpegel hatte sich mittlerweile schon auf circa 75 Dezibel hochgeschaukelt. Wahrscheinlich hörten mittlerweile auch meine Nachbarn im Gemeindebau, was ich so mitten in der Nacht am Telefon zu besprechen hatte.
„Ah so ist das, du hast mich also gar nicht gern empfangen!! Du falsches AAS!“ beschimpfte er mich unverschämt.
„Weißt du was: BEI MIR BIST IM OASCH DAHAAM!“ erklärte ich ihm lauthals und legte auf.
Seither habe ich zwar einen Freund weniger, aber meine Lebensfreude ist dadurch eher noch gestiegen, anstatt dass sie Schaden genommen hat.

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