Ein mieser Tag kann mit entsprechender Lektüre noch zu retten sein, klickt euch also öfter bei mir rein!

Montag, 24. September 2012

Bewerbung


Letztens beschwerte sich eine Freundin bei mir, dass simple Bewerbungsgespräche immer mehr zum Seelenstrip ala Psycho-Onkel-Couchbesuch ausarten Die dort gestellten Fragen sind anmaßend („Finden Sie Ihren Aufzug geeignet für eine Bewerbung bei unsrem Unternehmen?“) bis orakelhaft („Wo sehen Sie sich in 10 Jahren“)- die typischen verbalen Blähungen eben. Sogar zu Beginn der hochnotpeinlichen Befragung muss man schon aufpassen, bloß nix Falsches von sich zu geben. Z.B. wurde sie vom Personalchef gefragt: „Stört es Sie, wenn ich rauche?“ – Da sie eingefleischte Nichtraucherin ist, wollte sie schon „JA!“ brüllen, entschied sich aber um und erlaubte es ihm spontan mit gönnerhaftem Wohlwollen: „Aber sicher, Sie sollen sich doch wohl fühlen, ganz wie daheim! Sie müssen auch gar nicht nervös sein.“ Kaum ausgesprochen bereute sie ihre Worte, denn die könnten ihr doch von ihm als Opportunismus ausgelegt werden, als Mangel an Durchsetzungskraft. In so einer Situation ist man der Paranoia nahe. Im Internet kursieren jede Menge solcher Beispiele der üblichen Personal-Fragen und deren optimaler Antworten. Sie hatte sie alle brav auswendig gelernt und wunderte bzw. ärgerte sich, als der Personalist, der sich genüsslich eine Zigarette anheizte, nun ganz anders mit ihr sprach. Mit (scheinheiligem?) Lächeln  fing er an: „Wir stellen nur fähige Leute ein und Ihr Lebenslauf lässt darauf schließen, dass Sie dazu gehören!“ PAUSE Was sollte sie jetzt sagen?  Nur Beifall klatschen? Mögliche Antworten: „Ja!“ – „Sie sind ein sehr intelligenter Mensch!“- „Sie waren mir gleich sympathisch, als ich Sie beim Reinkommen sah!“- „Sie merken auch alles!“ – „Danke für die Blumen!“ – „Dabei hab ich beim Schreiben noch untertrieben!“ – Während sie noch überlegte, welchen dieser Kommentare sie abgeben sollte, fuhr er bereits munter fort: „Seit mittlerweile einem Jahr führe ich schon diffizile Einstellungsgespräche und habe mich noch nie bei meiner Auswahl geirrt!“ Scheinbar beweihräucherte er gerade ausgiebig sein Können und lauerte nur auf Zuspruch. Anstatt sie anzuwerben, bewarb er nur seine eigene Größe. PAUSE Wieder kamen ihr mehrere Sätze der Bestärkung seiner Meinung in den Sinn: „Ja, genauso sehen Sie auch aus!“ – „Was hat die Firma aber auch für ein Glück, SIE zu haben!“ – „Auf weitere gute Jahre Ihres Erfolges!“ – „Mit mir können Sie auch nicht falsch liegen!“ – "Ich werde Ihre kühnsten Erwartungen noch übertreffen!" - Doch schon sprudelte weiter Eigenlob aus seiner Speiseöffnung: „Meine Arbeit ist die schwierigste im Haus, denn wenn ich eine Mogelpackung einstelle, kann das womöglich zu einem Rückgang der Produktivität führen.“ Automatisch nickte sie und dachte: klar, wenn du Flitzpiepe die Falsche anheuerst, mischt die dir das ganze männliche Personal auf, dass keiner mehr an die Arbeit denkt.
„Bei Ihnen sehe ich da gar keine Gefahr!“ stellte er mit wohlwollendem Blick fest, als hätte er ihre Gedanken gelesen und blies ihr entspannt  eine Rauchwolke ins Gesicht.
„Ich bewundere Sie für Ihre gute Menschenkenntnis!“ entschlüpfte ihr automatisch, während sie krampfhaft einen Hustenanfall unterdrückte.
„Wann können Sie anfangen?“ Das war mal eine Frage, die sie gern hörte. „Sofort!“ – „Oh! Sagen wir morgen!“ – „Einverstanden!“ lächelte sie selig und erzählte mir, dass es manchmal bei einem Personal-Verhör zwischendurch besser sei, nur wissend zustimmend zu schweigen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen