Ein mieser Tag kann mit entsprechender Lektüre noch zu retten sein, klickt euch also öfter bei mir rein!

Mittwoch, 7. Januar 2015

5-Minuten-Krimi

Lösen Sie den Fall des toten Läufers

Der Albtraum aller Spurensicherer fiel in Form weißer Flocken vom Himmel auf den Tatort im Prater nahe einer Gartensiedlung. Kommissar Rau traf noch etwas verschlafen um halb Acht ein und begrüßte den amtierenden Gerichtsmediziner mit „Hallo Pille!“ in Anspielung auf dessen Star-Trek-Fanatismus. Mürrisch wie immer kam der gleich zur Sache: „Männliche Leiche, circa 25-35, scheinbar ein Läufer, denn er hat nur einen Trainingsanzug und Turnschuhe an, keine Personaldokumente oder Schlüssel. Todeszeit mindestens vor einer Stunde, denn die Leichenstarre beginnt bereits. Todesursache ein Schlag auf die linke Schläfe, der zum Bruch der Augenhöhle führte. Durch die frische Schneedecke leider keine verwertbaren Spuren. Gefunden hat ihn ein Zettelverteiler vor circa 10 Minuten.“
„Interessant.“  meinte Rau und machte vom Gesicht des Toten ein Foto mit dem Handy. „So einen Todesfall hatte ich vor einigen Jahren am Golfplatz.“
„Kein Golfball in Sicht.“ sagte Pille und zeigte auf ein Zwetschgen-großes Eisbällchen. „Aber ein einzelnes Graupelkorn.“
Rau guckte nach rechts auf eine kleine Anhöhe und kombinierte: „Wenn jemand nun einen Eisball in Golfballgröße von dort oben abgeschlagen hätte…“
„…dann wäre das genial, weil die Mordwaffe bzw. ein Teil davon dahinschmilzt ohne, dass er oder sie es vom Tatort beseitigen muss.“ fuhr Pille fort.
„Und außerdem ist so ein Ball im Tiefkühlfach leicht herzustellen. Alles was der Mörder noch braucht ist genügend Treffsicherheit! Ich nehme mir mal die Hausbesitzer der Gartensiedlung vor. Überall wo Rauch aus den Kaminen aufsteigt könnte der Täter wohnen.“

Bei Nummer 12 kläffte ein Schäfer und es öffnete ein Herr in den besten Jahren.
„Guten Morgen, Kripo!“ Rau zeigte seine Marke und trat automatisch ein. „In der Nähe gab es einen Mordfall, Herr…?“
„Oh, wie bedauerlich! Mein Name ist Muno und mein Hund heißt Hasso! Wer ist es denn?“ fragte Muno in einem weißen Hausanzug und schloss hinter Rau die Haustür. „Doch nicht einer meiner Nachbarn? Obwohl, im Winter wohnen außer mir nur 3 Leute in winterfesten Häusern.“
Rau zeigte das Foto der Leiche und wartete auf eine Reaktion. „Neee, den kenn ich nicht. Bin grad beim Frühstücken, darf ich Ihnen auch schwarzen Kaffee anbieten? Milch ist leider sauer geworden, da mein Kühlschrank kaputt ist.“
„Nein danke. Spielen Sie Golf?“ fragte Rau und zeigte auf einige Pokale im Wohnzimmerschrank.
„Neee, die Pokale bekam ich für den schönsten Blumengarten. Nur Minigolf spiel ich manchmal, weil meine Schwester eine Anlage in Donaustadt hat. Da kann ich gratis spielen.“ Bedächtig setzte er sich an einen gedeckten Tisch und überlegte kurz, ehe er weitersprach. „So eine Mitgliedschaft im Golfclub ist ja sauteuer. Bitte, die 50.000 €, die man dort als Entree ablegen muss, hat zwar jeder von uns im rechten Hosensack, aber der Bentley, mit dem man dort standesgemäß vorfahren muss, übersteigt meine Barschaft. Wissen Sie, was ich glaube? Armut ist gewollt, weil sie dazu führt, dass es immer jemanden gibt, der dann die Drecksarbeit billiger macht!“ meinte er ironisch, während er sich eine Zigarette anzündete.
„Müssen sie noch arbeiten?“ erkundigte sich Rau.
„Äh…neee, aber ich hab bis 65 geschuftet wie ein Esel, dem man mal die Karotte und mal den Prügel vor die Nase hält!“ stellte er bitter fest und hustete.

Der Mann auf Nummer 16 stellte sich als Benno Bush vor, neben ihm bellte ein Dackel so lange, bis er „AUS!“ brüllte. Rau sah sich im Wohnzimmer um, während sich Bush, der einen schwarzen Frotteemantel trug, kurz entschuldigte- scheinbar suchte er das Bad auf.
Auf dem Tisch lagen ein Kugelschreiber und eine Beileidskarte. Rau las den Text: Wieder markiert der Erdumlauf den Zeitpunkt, wo du tauchtest auf, in der öden Weltgeschichte und machtest mein Leben zunichte.
„Geburtstagsgruß an meine Exfrau!“ erklärte Bush, der nun ein weißes Hemd und eine braune Hose anhatte. Sein grauer Bürstenhaarschnitt ließ ihn wie einen Igel wirken. Er griff sich ein Buch aus einem Karton und warf es in den brennenden Kamin.
„Ach, Sie verheizen schon Ihre Bibliothek?“ fragte Rau erstaunt.
„Nein. Das hat mir meine Ex übrig gelassen. Die gelesenen Liebesromane und Hugo!“ erklärte er, wobei er auf den Dackel zeigte. „Ich hab mal in einer Villa im  Nobelbezirk gewohnt und nun muss ich in einer elenden Gartenlaube hausen!“ beschwerte er sich und setzte sich müde.
„Spielen Sie Golf?“ forschte Rau.
„Machen Sie Witze? Ja, früher mal, aber heute…selbst die Schläger hat meine gierige Alte versteigern lassen.“
Rau zeigte neben den Kamin. „Aber der Schürhaken da sieht aus wie ein Golfschläger!“
"Ja, aber es ist keiner! Damit könnte ich keinen Blumentopf gewinnen.“
„Was war denn Ihr Handicap?“
„Hab ich vergessen! Was wollen Sie eigentlich von mir?“ bellte Bush.
„In der Nähe der Siedlung fand man diese Leiche!“ bellte Rau zurück und zeigte Bush das Foto. „Kennen Sie den Mann?“
„Hmmm, ja das ist der Irre, der morgens immer durch unsre Laube läuft und die Hunde aufweckt. Seit einem halben Jahr, obwohl ich ihn gebeten habe, seine Route zu ändern, oder später zu laufen, läuft dieser Freak immer um 6 Uhr früh und weckt uns durch das Gekläff unserer besten Freunde auf! Mein Nachbar, der auf Nummer 12 hat sich auch schon bei mir drüber beschwert.“
„So? War er so wütend, dass er den lästigen Läufer hätte töten können?“ fragte Rau.
„Jawoll! Obwohl er gebrechlich aussieht, kann der noch selber Holz hacken. Ich glaub, den hat Reemtsma nachgebaut, um den Rauchern zu zeigen, dass man auch nach 45 Jahren Nikotinmissbrauch noch Leistung bringen kann!“ zischte er. „Und der Nachbar auf Nummer 18, der sonst immer hier überwintert, ist gestern wieder in seine Wohnung gezogen, damit er heut nicht schon wieder wachgebellt wird. Aber wer weiß, vielleicht ist er auch hiergeblieben und hat den miesen Penner erledigt! Oder er ist nach der Tat gleich getürmt, hähä!“

Auf Nummer 18 öffnete keiner und auch aus dem Kamin stieg kein Rauch auf.

Die Dame auf Nummer 19 begrüßte Rau sehr freundlich und bat ihn in ihr gemütlich ausgestattetes Häuschen. Sie stellte sich als Frau Cos vor und hatte keinen Hund, dafür 2 Angorakatzen namens Mizzi und Luna. Den toten Läufer hatte sie nach eigenen Angaben noch nie zuvor gesehen. An der Wand ihres Wohnzimmers sah sich Rau unzählige Zeitungsausschnitte an, die alle vom Krieg berichteten.
„Ich sammle alles, was der Mensch so anrichtet.“ erklärte sie und setzte sich auf ihre Couch. Sie hatte ein bauschiges Gesicht und trug ein buntes Strickensemble. „Eine einzige Kriegsgeschichte. Ich war nämlich mal Soziologin. Krieg ist immer, wenn Leute die sich nicht kennen, aufeinander schießen, auf Befehl von Leuten, die sich sehr gut kennen!“
Weiterlesen unter: http://www.bod.de/buch/s--pomej/moerder-machen-fehler/9783739204963.html

Wer mehr Mord & Totschlag lesen möchte, dem empfehle ich meine Bücher:

Sehr schrullige Short-Stories

Soziopathen sterben selten

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen